Umweltfeuerwehr

Neuer Gerätewagen-Gefahrgut in Dienst gestellt


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Im April 2011 konnte der 2.Zug der Feuerwehrbereitschaft 4 (Umweltfeuerwehr) des Landkreises Northeim nach über fünf Jahren Planungs- und Bauzeit einen neuen Gerätewagen-Gefahrgut (GW-G) in Dienst stellen.
Aufgebaut wurde das Fahrzeug von der Firma Gimaex-Schmitz in Wilnsdorf auf einem 18-Tonnen-Fahrgestell der Firma MAN. Da schon vor Planungsbeginn bekannt war, dass ein durch den 2.Zug mitbenutztes Trocken-Tanklöschfahrzeug (TroTLF 16) der Feuerwehrtechnischen Zentrale (FTZ) in Northeim ebenfalls erneuert werden sollte, wurde dies in verschiedenen Punkten bei der Planung berücksichtigt. Wichtig war hierbei vor allem der Wegfall der Pulveranlage und von drei Sitzplätzen im neuen Tanklöschfahrzeug (TLF 20/40 SL). Daher sollte der neue GW-G eine Staffelkabine erhalten und zwei 50kg-Pulverlöscher mitführen. Da die Beladung auch sonst den aktuellen Bedürfnissen angepasst wurde, ist das Fahrzeug mit einer Länge von 9,30m und einer Höhe von 3,30m deutlich größer als sein Vorgänger, der auf einem 11-Tonnen-Mercedes-Fahrgestell aufgebaut war. Um ein zügiges Vorankommen zu gewährleisten wurde ein 326 PS starker Motor in Verbindung mit einem halbautomatischen 12-Gang-Getriebe (MAN Tipmatic) gewählt.

Aber der neue Gerätewagen fällt nicht nur durch seine Größe und die Staffelkabine mit sieben Sitzplätzen auf. Auch sonst sind viele Abweichungen von einem GW-G nach DIN zu finden. Rein äußerlich sticht dabei zuerst die Dachbeladung ins Auge. Um größere Teile die nicht im Ersteinsatz benötigt werden lagern zu können, wurde ein begehbares Dach mit zwei Dachboxen gewählt. Darin befinden sich z.B. Gefahrgutschläuche, Tische und Bänke oder Besen und Schaufeln. An der Rückseite sind noch einige Überbehälter verstaut. Der Aufstieg zum Dach befindet sich an der Beifahrerseite, da an der Rückseite eine Ladebordwand sitzt. Hinter ihr befinden sich neben den beiden 50kg-Pulverlöschern drei Rollwagen. Einer davon ist mit einer Gefahrgutschlauchpumpe, Ansaug- und Auslaufrohr, drei Gefahrgutschläuchen, einer Kabeltrommel und Erdungsmaterial beladen. Im Einsatzfall kann das Kabel während des Schiebens ausgerollt werden. An der Einsatzstelle müssen dann nur noch die Schläuche zwischen Pumpe und Ansaug- bzw. Auslaufrohr gekuppelt und eine Erdung aufgebaut werden, um eine funktionsfähige Pumpenstrecke zu haben. Der zweite Rollwagen ist für den Eigenschutz des vorgehenden Trupps vorgesehen und mit Schläuchen, Armaturen, verschiedenen Feuerlöschern, Löschdecken und einem Tank mit 80l alkoholbeständigem Schaummittel beladen. Hier kann beim Vorgehen ein B-Schlauch zur Einsatzstelle ausgelegt werden. Dieser ist fest mit einem Kugelhahnverteiler verbunden, sodass über fest angekuppelte C-Leitungen entweder Wasser über ein Hohlstrahlrohr oder Schaum über einen Zumischer und ein Kombischaumrohr abgegeben werden kann. Der dritte Rollwagen ist mit verschiedenen Bindemitteln beladen und bietet auf einer zweiten Ebene Platz zum Transport weiterer Gerätschaften. Alle drei Rollwagen sind mit Totmann-Bremsen versehen, sodass zum Bewegen der Kleincontainer zwei Bremshebel gezogen werden müssen. Lässt man diese los, so wird ein Gewicht von 310kg bei einer Steigung von 12 Prozent noch sicher gehalten. Damit ist auch bei Gefälle ein sicheres Bewegen und Abstellen der Wagen möglich. Diese Rollwagen sparen gerade in der sehr arbeitsintensiven ersten Einsatzphase viel Zeit, da oft benötigte Materialien zusammen zur Absperrgrenze gebracht werden können.
Ein weiterer Zeitfaktor, der gerade bei einer eventuellen Personenrettung entscheidend sein kann, ist die Dauer die der ersten Trupp zum Ausrüsten benötigt. Um hier noch schneller zu werden, sind die hinteren vier Plätze in der Staffelkabine mit Atemschutzgeräten versehen. Die Feuerwehrleute die hier sitzen ziehen schon vor dem Aufsitzen anstelle ihres Einsatzanzuges nur einen Unterziehkombi an. Auf der Fahrt können dann Atemschutzgerät, Maske und Funkgerät angelegt und die Körperschall-Hör-Sprech-Garnitur in den Helm eingebaut werden. An der Einsatzstelle wird dann nur noch der Chemikalienschutzanzug (CSA) übergezogen und ein Trupp kann vorgehen. Während drei der Feuerwehrleute den ersten Trupp stellen, wird der vierte zusammen mit zwei Kräften des TLF 20/40 SL, welches nach Ausrückordnung mit dem GW-G zusammen fährt, zum Reservetrupp.
Mit dem neuen GW-G kam auch ein neues Kupplungssystem. Wurden vorher noch die bekannten Milchrohrkupplungen genutzt, so wird jetzt das inzwischen auch für Feuerwehren zugelassene Tankwagen-Kupplungssystem eingesetzt. Der Vorteile dabei ist, dass diese unempfindlicher und einfacher zu handhaben sind. Auch das Erdungssystem wurde erneuert. Während bisher die Erdungskabel mit Schrauben an den benötigten Stellen befestigt werden mussten, können diese jetzt einfach zusammen gesteckt werden.

Zusätzlich zur bisherigen Beladung wurde das neue Fahrzeug noch mit einem explosionsgeschützen Hochleistungslüfter, einem ebenfalls explosionsgeschützten Nass-/Trockensauger und einer luftdruckbetriebenen Kraftstoffabsaugpumpe ausgestattet. Um auch bei Dunkelheit problemloses Arbeiten zu ermöglichen, wurde eine Umfeld- und Geräteraumbeleuchtung in LED-Technik eingebaut. Zusätzlich sorgt ein festeingebauter Lichtmast mit zwei elektrisch dreh- und neigbaren 1500W Scheinwerfern in Verbindung mit dem vom Fahrzeugmotor angetriebenen 25kVA Stromerzeuger für gute Sicht.

Der neue GW-G wurde seit seiner Auslieferung bereits bei mehreren Übungen und einem Einsatz genutzt. Dabei hat sich das Gesamtkonzept des Fahrzeuges bewährt. Das benötigte Material stand mit weniger Personalaufwand schneller an der Absperrgrenze zur Verfügung und bei Personenrettungen konnte der erste Trupp früher vorgehen.

Das 23 Jahre alte Vorgängerfahrzeug wurde durch eine Werkfeuerwehr übernommen und dort nach deren Bedürfnissen umgebaut.

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