Umweltfeuerwehr

Kommando des 3. Zuges besichtigt das Kernkraftwerk Grohnde


Autor

Umweltfeuerwehr
Auf der Tagesordnung für die diesjährige Kommandofortbildung des 3. Zuges der Umweltfeuerwehr stand die Besichtigung des Kernkraftwerkes Grohnde (KWG) bei Hameln. Die Planung und Vorbereitung für diese Veranstaltung begann bereits im Dezember 2010, da noch ein paar Hürden zu überwinden waren bevor die Besichtigung beginnen konnte. Aus rechtlichen und sicherheitstechnischen Gründen war es notwendig, dass die teilnehmenden Kameraden vorab bei der E.ON Kernkraft GmbH gemeldet und durch das Landeskriminalamt (LKA) Niedersachsen überprüft werden. Nur unter dieser Voraussetzung war es auch möglich, den inneren Sicherheitskreis des KWG zu betreten.
Nachdem alle Personenüberprüfungen stattgefunden haben und die Freigaben des LKA sowie der E.ON Kernkraft GmbH erfolgt waren, konnten sich die Kameraden am Montag, den 25. Juli 2011 auf den Weg zum Kraftwerksgelände nach Grohnde machen.

Um 7:30 Uhr trafen sich die Kommandomitglieder an der FTZ in Bad Gandersheim und sprachen den geplanten Tagesablauf noch einmal durch. Anschließend ging es von dort aus in Richtung Landkreis Hameln zu dem Kernkraftwerk Grohnde. Auf dem Kraftwerksgelände angekommen, wurden die Kameraden durch einen Mitarbeiter der E. ON Kernkraft GmbH begrüßt und eingeladen, sich vor Beginn der Führung im Informationszentrum des Kraftwerks vorab umzuschauen, um schon ein paar Eindrücke für die folgende Führung zu gewinnen. Im Informationszentrum befinden sich neben vielen allgemeinen und theoretischen Informationen über das Kraftwerk und die Kernenergie im Allgemeinen, auch einige Modelle von diversen Anlagenteilen des Kraftwerkes. Dadurch lassen die Funktionsmechanismen eines Kernkraftwerkes besser verstehen, da viele dieser Bauteile während der laufenden Stromproduktion unter tonnenschweren Stahlbetonplatten verborgen sind.

Nach einem kurzen Rundgang durch das Informationszentrum ging es in einen Besprechungsraum zu einem Vortrag, in dem die Kameraden in etwa 90 Minuten viel über das Kraftwerk Grohnde und die Kernenergie in Deutschland und der Welt erfahren konnten.
Hier wurde z. B. auf die Geschichte, den Aufbau, die Funktionsweise und die Entstehung des Kraftwerkes Grohnde näher eingegangen und aus aktuellem Anlass erwähnt, dass das KWG am Donnerstag, den 21. Juli 2011, die 300 Milliardste kWh Strom produziert hat. Damit zählt das KWG zu den Top Ten der leistungsfähigsten Kraftwerken auf der Welt.

Nachdem der Vortrag beendet und alle Fragen der anwesenden Kameraden beantworten waren, ging es dann los zur eigentlichen Führung durch das Kraftwerk. Zuerst wurden im Eingangsbereich die Personalien aller Anwesenden überprüft und die Besucherausweise ausgegeben, mit denen es überhaupt erst möglich ist, die vielen Sicherheitsschleusen auf dem Gelände zu durchtreten. Danach mussten alle Personen wie auf einem Flughafen durch einen Metalldetektor und wurden durch das Sicherheitspersonal nach verbotenen bzw. gefährlichen Gegenständen abgetastet, bevor jeder einen Helm mit Gehörschutz bekam und der Zutritt auf das eigentliche Werksgelände erfolgen konnte.

Nachdem der Eingangsbereich verlassen wurde, fielen auf dem Kraftwerksgelände im Außenbereich der Anlage sofort die großen Vernebelungsanlagen auf. Diese befinden sich auf dem gesamten Gelände und können innerhalb kürzester Zeit bei einem kurz bevorstehenden Terroranschlag z.B. mit einem Flugzeug das komplette Tal, in dem sich das Kraftwerk befindet, vernebeln.
An den Vernebelungsanlagen vorbei ging es quer über das Gelände, vorbei an dem Zwischenlager, in dem sich die Castoren befinden, den inneren Sicherheitsbereich des KWG zum den Reaktorraum. Hier angekommen bekamen die Kameraden gesonderte Bekleidung sowie für jeden ein persönliches Dosimeter, an dem sich ggf. vorkommende Strahlung ablesen lässt (dieses zeigte während der gesamten Führung den Wert Null an!) gestellt.
Nachdem sich alle Kameraden umgezogen und die Schutzausrüstung angelegt hatten, mussten erst wieder eine Vielzahl an Sicherheitsschleusen durchquert werden, bevor man sich wirklich im eigentlichen Reaktorraum befand. Im diesen Raum, in dem immer eine Temperatur von ca. 30°C herrscht, wurde die Gruppe zusätzlich von einem der vielen Strahlenschutzexperten, die rund um die Uhr im Reaktorraum arbeiten, in Empfang genommen und schloss sich den Kameraden der Umweltfeuerwehr an. Dieser erklärte dann genau, was sich im Reaktor abspielt, wie die hochkomplizierte Technik und die Kühlkreisläufe funktionieren und beantwortete jede auch noch so speziellen Fragen der Feuerwehrkameraden rund um die Kerntechnik, den Reaktor und die Castoren. Ebenso konnte verdeutlicht werden, wie bei einer Revision im Kraftwerk die Brennelemente gewechselt und die Castoren mit den abgebrannten Elementen beladen werden.

Nachdem sich die Führung durch den inneren Sicherheitsbereich nach gut einer Stunde dem Ende zuneigte, ging es einmal mehr zu einer Überprüfung. Bei dieser müssen alle Personen durch Schleusen gehen, in denen jeder 'gescannt' und geschaut wird, ob Strahlung oder radioaktive Teichen aufgenommen wurden. Erst wenn keine radioaktive Strahlung gemessen wurde, öffnet sich die Schleuse und die Person kann weitergehen und seine Ausrüstung wieder abgeben. Diese Prozedur durchlaufen die Mitarbeiter des Kraftwerkes mehrmals täglich, wodurch es ausgeschlossen ist, dass Strahlung bzw. radioaktive Partikel nach außen verschleppt werden.

Als alle Sicherheitsschleusen passiert waren, ging es dann noch zur vorerst letzten Station der Besichtigung – zu dem Turbinenhaus. Hier werden mittels Wasserdampf, der durch die Kernreaktion gewonnen wird, vier Turbinen und der Generator angetrieben und so der Strom erzeugt. Hier war neben dem ohrenbetäubenden Lärm vor allem die Größe der Turbinen und des Generators beeindruckend und die Vibrationen, die durch diese im gesamten Raum entstehen.

Im Anschluss an diese überaus interessante und aufschlussreiche Führung wurden die Kameraden von der E.ON Kernkraft GmbH noch zu einem gemeinsamen Mittagessen in der Werkskantine eingeladen, bevor die Heimreise zur FTZ Bad Gandersheim wieder angetreten wurde und der Veranstaltungstag um etwa 15 Uhr beendet war.

Als Fazit zu dieser Fahrt lässt sich sagen, dass sich die lange Planung und Vorbereitung für diesen Tag mit Einblick hinter die Kulissen der Kernkraft wirklich gelohnt hat und ein voller Erfolg war. Insbesondere waren alle Kameraden von der Vielzahl an Sicherheitsmaßnahmen beeindruckt, die getroffen werden, um den Betrieb einer kerntechnischen Anlage wie dieser möglichst risikofrei zu gewährleisten.

Datenschutz | Impressum | © Umweltfeuerwehr 2019