Umweltfeuerwehr

'Klinikabfälle' - Anlass für eine groß angelegte Übung


Autor

Sina Rusteberg

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Nach einer Pause auf dem Gelände des ehemaligen Tönnieshof oberhalb von Fredelsloh bemerkte der Fahrer eines Gefahrgut-LKW am 16.08.2014 gegen 6.00 Uhr morgens, dass von seinem Fahrzeug eine undefinierte Flüssigkeit tropft. Da er nicht genau wusste, welche Stoffe er geladen hat, meldete er über Notruf das Auslaufen von einer roten Flüssigkeit bei seinem Gefahrguttransport.
Dieses Szenario war Teil einer angesetzten Alarmübung des zweiten Zuges und der Arztgruppe der Feuerwehrbereitschaft 4 gemeinsam mit der zuständigen Ortsfeuerwehr Fredelsloh, welche alle umgehend über Sirene bzw. digitale Meldeempfänger alarmiert wurden.

Nach Ankunft des Einsatzleitwagens aus Fredelsloh, erfolgte eine Erkundung des Unfallortes mittels Fernglas. Dabei wurde bereits von weitem festgestellt, dass der LKW durch eine orangene Warntafel gekennzeichnet war, welche aufzeigt, dass der LKW Gefahrgut geladen hatte. Ein weiteres Hinweisschild zeigte auf, dass es sich um die Gefahrgutklasse 6.2 (ansteckungsfährdende Stoffe) handelte. So ließ der Einsatzleiter Hans-Jürgen Pfüller die Einsatzstelle sofort weiträumig absperren und baute mit seinen weiteren Kräften einen 3-teiligen Löschangriff aus verschiedenen Löschmitteln (Wasser, Löschpulver, Löschschaum) auf. Dieses Vorgehen ist nötig, da man im Vorfeld nicht genau weiß, welche Stoffe man auf dem LKW vorfindet und welches Löschmittel im Falle eines Brandes dann das geeignete ist.

Währenddessen machten sich bereits mehrere Fahrzeuge der Umweltfeuerwehr aus Northeim auf dem Weg zur Einsatzstelle. So erreichten unter anderem der Einsatzleitwagen, der Gerätewagen-Gefahrgut und der Gerätewagen Atemschutz-Chemieschutz-Strahlenschutz nach kurzer Zeit die Einsatzstelle. Weiterhin wurde der Fahrer des LKW bereits durch die Notärztin und zwei Rettungsassistenten der Arztgruppe betreut. Dieser blieb allerdings unverletzt, konnte aber keine Angaben über seine Beladung machen.

So entschied der Zugführer der Umweltfeuerwehr seinen ersten Trupp unter Chemikalienschutzanzügen zum Erkunden vorgehen zu lassen, welche die höchste Schutzstufe ist, die man beim Umgang mit Gefahrgütern bei der Feuerwehr tragen kann.

Um die kontaminierten Trupps wieder zu desinfizieren, war es von Nöten eine Dekontaminationsstelle aufzubauen. Ein Trupp der Ortsfeuerwehr Fredelsloh rüstete sich hierzu mit flüssigkeitsdichten Anzügen der Umweltfeuerwehr aus, während die anderen Kameraden den Platz unter anderem mit einer Auffangwanne hergerichtet haben.

Der erste Trupp konnte die Ladungspapiere aus dem Führerhaus sichern und verschaffte sich einen Überblick über das Unfallszenario. Diese Papiere gaben bereits Aufschluss darüber, dass es sich unter anderem um Abfälle aus einer Klinik handeln musste. Auf der Ladefläche des LKW befanden sich letztlich mehrere beschädigte Behältnisse, aus denen etwas austrat. Um allerdings dorthin zu gelangen, musste zunächst der LKW grob abgeladen werden. So wurde direkt eine Trennung nach beschädigten und unbeschädigten Behältnissen vorgenommen.

Der zweite Trupp konnte dann die ausgetretene Ladung in Überbehältnissen sichern und auffangen, sodass keine weitere Gefahr davon ausging. Man fand unter anderem infektiöse Abfälle, wie Urinbeutel, Blutkonserven und Verbandmaterial sowie Tierstreu von Versuchstieren vor. Im Anschluss rüstete man die vorgehenden Trupps mit einer niedrigeren Schutzstufe aus und es reichte ein Infektionsschutzanzug, der leichter und angenehmer zu tragen ist. Die Ortsfeuerwehr Fredelsloh wurde mit in den Atemschutzeinsatz eingebunden und nahm gemeinsam mit einem Kameraden der Umweltfeuerwehr eine Probe des ausgetretenen Blutes zur weiteren Untersuchung im Labor. Die Übungsbeobachter zeigten sich mit der Abarbeitung der anspruchsvollen Lage sehr zufrieden und lobten vor allem die zügige, disziplinierte und professionelle Zusammenarbeit.

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