Am 11.09.2017 gegen 17:45 Uhr wurden die Einwohner und Einwohnerinnen von Moringen durch Sirenengeheul aufgeschreckt. Auf den digitalen Funkmeldeempfänger der Feuerwehrleute stand: "Unklare Rauchentwicklung im Maßregelvollzugszentrum (MRVZN) Moringen Station 6". Die ersten anrückenden Feuerwehren dachten an einem Ernstfall, da aus den Fenstern starker Qualm herausdrang und Personen sich durch klopfen gegen die Fensterscheiben bemerkbar machten. Zum Glück war es nur eine Übung die von der Führungskraft der Feuerwehr Moringen anberaumt worden war.

Lage: Auf der Station 06 im MRVZN Moringen wurde durch einen Patienten in einem Mehrbettzimmer auf Grund einer psychiatrischen Ausnahmesituation ein Feuer gelegt. Im Bereich des Tagesraumes zur Ostseite sind mehrere Patienten durch die starke Rauchentwicklung in ihren Zimmern eingeschlossen. Die Mitarbeiter der Station 06 konnten einen Großteil der Patienten aus der Station bringen. Nach ersten Anwesenheitskontrollen werden 9 Patienten vermisst.

Erweiterte Lage: Das Feuer breitet sich über die Holzdecke auf der Station aus. Durch die Lüftungsanlage wird der Rauch im gesamten Gebäude verteilt und kontaminiert weitere Räume. Eine Evakuierung der Stationen und aller anderen Räume ist grundsätzlich erforderlich.

Übungsverlauf: 1. Meldung:
Lage auf Sicht war eine starke Rauchentwicklung aus mehreren Fenstern im 1. Obergeschoß eines mehrgeschossigen Backsteingebäudes.

2. Meldung mit Nachforderung:
Es brennt auf Station 06 im MRVZN Moringen. Vermutlich noch 7-9 Personen im betroffenen Bereich der Station 06 eingeschlossen. Es wurde von den ersten Einsatzkräften mit der Menschenrettung und Brandbekämpfung begonnen. Eine Erhöhung der Alarmstufe auf Einsatz „Groß“ wurde vom Einsatzleiter für die Ortsfeuerwehr Moringen angeordnet. Weitere Kräfte werden nachalarmiert: Löschzug 2 und Löschzug 4 Stadtverband Moringen, Technische Einsatzleitung Ost und Nord des Landkreises Northeim, Drehleiter und Tanklöschfahrzeug 20/40 des Landkreises Northeim von der Feuerwehrtechnischen Zentrale Northeim, Rettungsdienst Vollalarm Deutsches Rote Kreuz Bereitschaft Northeim, Rettungsdienst Vollalarm Deutsches Rote Kreuz Bereitschaft Uslar und die Arztgruppe der Feuerwehrbereitschaft 4 des Landkreises Northeim für den Atemschutznotfall und Unterstützung des eingesetzten Rettungsdienstes.

3. Meldung mit Nachforderung:
Mehrere Wasserentnahmestellen hergerichtet. Zwei 3er Atemschutztrupps im Innenangriff zur Menschenrettung. Zwei weitere Atemschutztrupps zur Durchsuchung der angrenzenden Stockwerke nach Personen. Aufbau einer Riegelstellung zum Nachbargebäude (Station 10) wurde eingeleitet. Die Drehleiter wurde in Anleiterbereitschaft für zweiten Rettungsweg an der Ostseite des Gebäudes aufgestellt. Weitere Kräfte sind erforderlich und wurden nachalarmiert: Alarmiert wurde der Löschzug 3. aus dem Stadtverband Moringen.

Aufgaben der Löschzüge (In folge "LZ"):

LZ 1:
Anfahrt über Gartenstraße zur Mannenstraße bis zum Parkplatz Haupteingang. Einsatzleitwagen Moringen Einfahrt ins Gelände und Abholung erster Informationen. Schlauchwagen Moringen verbleibt auf dem Parkplatz (Versorgungsfahrten) Durchfahrt Hilfeleistungslöschgruppenfahrzeug und Löschgruppenfahrzeug 10 fährt ins B-Gelände vor TOR 3/4. Löschgruppenfahrzeug 10 richtet eine Wasserentnahmestelle aus dem Oberflurhydrant im Objekt und unterstützt das Hilfeleistungslöschgruppenfahrzeug. Die Atemschutzüberwachung ist im Bereich B-Gelände.
Die Besatzung vom Hilfeleistungslöschgruppenfahrzeug übernahm den Erstangriff mit zwei 3er Atemschutztrupps im Gebäude über Nebeneingang ins 1. Obergeschoß.

LZ 2:
Anfahrt über Gartenstraße in die Mannenstraße, danach herrichten einer Wasserentnahmestelle im sog. A-Bereich für eigenen Angriff. Im Verlauf Wasserversorgung durch Löschzug 3 aus der Langenstraße. Außenangriff vornehmen. Abgabe Atemschutzgeräteträger an Hilfeleistungslöschgruppenfahrzeug.

LZ 3:
Anfahrt über Mannenstraße bis zur Wasserstraße dort eine Wasserentnahmestelle aus einem offenen Gewässer aus dem Mannengraben herrichten. Weiterhin eine Löschwasserleitung von ca. 300 Meter zum Brandobjekt über Werkstattanfahrt verlegen. Danach Abgabe der Atemschutzgeräteträger an das Hilfeleistungslöschgruppenfahrzeug.

LZ 4:
Anfahrt über die Langestraße, dort herrichten einer Wasserentnahmestelle in Höhe Nebeneingang des MRVZN. Leitung zum Tanklöschfahrzeug Fredelsloh verlegen und Einspeisung an deren Fahrzeug. Abgabe der Atemschutzgeräteträger an das Hilfeleistungslöschgruppenfahrzeug im Bereich B-Gelände.

Führungspositionen:
EL: Einsatzleitung am ELW/TEL
ZF 1: Atemschutz/Brandbekämpfung
ZF 2: Wasserversorgung Gesamtverantwortung
ZF LZ 2: Unterstützung Atemschutz (Abtransport/Übergabe Verletzte)
ZF LZ 4: Wasserversorgung aus Mannengraben
ZF LZ 3: ZBV

Die Rettungskräfte vom Deutschen Roten Kreuz Bereitschaft Northeim waren mit 10 Fahrzeugen und 1:36 Kräften vor Ort.
Die Rettungskräfte vom Deutschen Roten Kreuz Bereitschaft Uslar waren mit vier Fahrzeugen und 1:10 Kräften vor Ort.

Die Feuerwehrkräfte waren von Moringen, Fredelsloh, Nienhagen, Blankenhagen, Großenrode, Thüdinghausen, Oldenrode, Lutterbeck, Behrensen, Northeim, die Arztgruppe der FB 4 und die Technische Einsatzleitung des Landkreises Northeim mit einer Gesamtstärke von 130 Einsatzkräften und 16 Einsatzfahrzeugen vor Ort.

Die 9 Verletztendarsteller stellten sich vom Deutschen Roten Kreuz Einbeck und dem Deutschen Roten Kreuz Altes Amt Echte zur Verfügung.

 

Text:Frank Fihlon / Horst Lange
Fotos:Horst Lange